Poröse Haare: Haarporosität verstehen, testen und pflegen

Poröse Haare sind Haare, deren Schuppenschicht, die Kutikula, halb offen steht: Sie nehmen Wasser sehr schnell auf und geben es genauso schnell wieder ab. Die Folge: Sie trocknen schlecht, krisseln, brechen und schlucken Pflege, ohne je gepflegt auszusehen. Die Haarporosität lässt sich testen und ausgleichen, aber an bereits geschädigten Längen nicht wirklich reparieren.
Ein Haar misst 40 bis 100 Mikrometer im Durchmesser (Wikipedia), und seine Kutikula entscheidet darüber, ob die Faser Wasser hält oder verliert. Bei Ondée beschäftigen wir uns mit dem Duschwasser und haben dafür einen Duschkopf mit Filter entwickelt. Genau diesen Blickwinkel vergessen die meisten Ratgeber zur Porosität: das, was jeden Morgen über Ihre Haare läuft, Kalk inklusive.
Was bedeutet Haarporosität?
Haarporosität beschreibt, wie gut die Faser Wasser aufnehmen und halten kann, und sie hängt fast vollständig vom Zustand der äußeren Schicht ab. Ein poröses Haar ist ein Haar, dessen Kutikula ihre Rolle als Barriere nicht mehr erfüllt.
Stellen Sie sich einen Kiefernzapfen vor. Geschlossen überlappen sich die Schuppen, nichts dringt ein. Geöffnet geht alles hinein und wieder hinaus. Die Kutikula funktioniert genauso: mehrere Lagen flacher Zellen, verzahnt wie Dachziegel, die den Kortex mit Keratin und Pigment schützen. Eine 2020 in der Fachzeitschrift Molecules erschienene Arbeit zur Porosität menschlichen Haares zeigt, dass Porosität keine Modeerfindung der Curly-Community ist, sondern eine messbare Eigenschaft der Faser.
- Kutikula: die äußere Schuppenschicht, sie entscheidet über die Porosität.
- Kortex: der Kern des Haares, reich an Keratin, verantwortlich für Festigkeit und Elastizität.
- Porosität: wie schnell Wasser und Pflege in die Faser eindringen, und wie schnell sie wieder entweichen.
Wenn die Schuppen abstehen, quillt der Kortex bei jeder Wäsche auf und trocknet dann wieder aus, und dieses Hin und Her ermüdet die Faser. Deshalb wirkt poröses Haar gleichzeitig zu lange nass und zu schnell trocken. Ein wichtiges Detail: Der Haarschaft ist biologisch tot. Er heilt nicht. Alles, was Sie an porösen Längen tun, ist Auffüllen und Schützen, keine Heilung.
Haarporosität testen: der Wasserglas-Test und seine Grenzen
Der bekannteste Haarporosität-Test ist der Wasserglas-Test: ein sauberes Haar auf die Wasseroberfläche legen und beobachten, ob es sinkt. Er gibt einen Hinweis, keine Diagnose, und er liegt häufiger daneben, als man denkt.
Das Prinzip ist einfach. Nehmen Sie ein natürlich ausgefallenes Haar, gewaschen ohne Spülung und gut getrocknet. Legen Sie es auf ein Glas Wasser mit Zimmertemperatur und warten Sie zwei bis vier Minuten. Schwimmt es oben, wäre die Porosität niedrig. Sinkt es bis zur Mitte, mittel. Fällt es auf den Boden, hoch.
Nur hat dieser Test ernsthafte Grenzen, und die schreiben wir lieber offen hin:
- Oberflächenspannung: Ein sehr feines Haar schwimmt, weil es leicht ist, nicht weil es gesund ist. Ein dickes Haar sinkt leichter, egal in welchem Zustand.
- Rückstände: Silikone, Öle und der Kalkfilm aus dem Leitungswasser machen das Haar wasserabweisend, also schwimmt es, selbst wenn es stark geschädigt ist. Bei hartem Wasser ist das Ergebnis deshalb besonders unzuverlässig.
- Ein einzelnes Haar: Die Porosität unterscheidet sich zwischen Ansatz (gesünder) und Spitzen (offener). Ein Haar steht nicht für den ganzen Kopf.
Zeichen aus dem Alltag sind verlässlicher als das Glas. Brauchen Ihre Haare an der Luft mehr als eine Stunde zum Trocknen? Plustern sie sich auf, sobald es regnet? Scheinen Masken in zehn Minuten zu verschwinden, und die Farbe wäscht sich schnell aus? Dreimal ja, und die Frage ist beantwortet. Perlt das Wasser dagegen unter der Dusche zunächst ab und bleibt die Pflege auf der Oberfläche liegen, tendieren Sie eher zu niedriger Porosität.

Niedrige, mittlere oder hohe Porosität: die Übersicht
Porosität ist kein Makel an sich, sondern eine Skala mit drei Stufen, und jede verlangt andere Handgriffe. Die Tabelle fasst zusammen, was wir beobachten und was die Haarpflegeliteratur für jedes Profil beschreibt.
| Kriterium | Niedrige Porosität | Mittlere Porosität | Hohe Porosität |
|---|---|---|---|
| Zustand der Schuppen | Dicht geschlossen | Leicht angehoben | Offen, teils fehlend |
| Nass werden | Dauert, das Wasser perlt ab | Normal | Sofort, das Haar saugt |
| Trocknungszeit | Sehr lang | Mittel | Schnell, danach trockenes Haar |
| Reaktion auf Pflege | Bleibt auf der Oberfläche, beschwert | Wird gut aufgenommen | Wird aufgenommen und schnell verloren |
| Frizz und Knoten | Selten | Gelegentlich | Häufig, vor allem bei feuchtem Wetter |
| Haltbarkeit der Farbe | Nimmt langsam an, hält gut | Nimmt an und hält normal | Nimmt schnell an, wäscht sich schnell aus |
| Wichtigster Handgriff | Leichte Pflege, sanfte Wärme zum Öffnen | Erhalten, nicht überladen | Versiegeln, kühl spülen, nachts schützen |
In der Praxis haben die meisten, die nach diesem Thema suchen, eine hohe Haarporosität in den Längen und eine mittlere am Ansatz. Das ist typisch nach zwei oder drei Colorationen oder bei Locken, die das Glätteisen kennengelernt haben. Der Rest dieses Artikels richtet sich vor allem an dieses Profil, mit einem Abschnitt zur niedrigen Porosität, denn auch sie hat ihre Tücken.
- Niedrige Porosität: Das Problem ist nicht der Wasserverlust, sondern die Ansammlung von Produkten, die nicht eindringen.
- Mittlere Porosität: das Gleichgewicht, das Sie schützen, indem Sie übermäßige Hitze und wiederholtes Blondieren vermeiden.
- Hohe Porosität: Das Haar braucht, dass Sie schließen, was sich schließen lässt, und jede neue Belastung begrenzen.

Warum werden Haare porös?
Haare werden porös, wenn etwas die Schuppen der Kutikula anhebt, abnutzt oder abreißt. Ein Teil ist genetisch, der größere Teil kommt von dem, was wir den Haaren antun, oft ohne darüber nachzudenken, und das Duschwasser gehört dazu.
Chemie steht an erster Stelle. Eine Blondierung öffnet die Kutikula absichtlich, um an das Pigment im Kortex zu gelangen, und sie schließt sie nie ganz. Oxidationsfarben, Glättungen und Dauerwellen spielen in derselben Liga. Dann folgt Hitze: Ein zu heißes Glätteisen oder ein Föhn auf höchster Stufe lässt das Wasser in der Faser verdampfen, und die Schuppen reißen von innen auf.
- Chemische Behandlungen: Blondierung, Coloration, Glättung, Dauerwelle. Ursache Nummer eins für hohe Porosität.
- Hitze: Glätteisen, Lockenstab, Föhn auf voller Stufe, vor allem ohne Hitzeschutz.
- Reibung: Frottiertuch, trockenes Bürsten verknoteter Haare, jede Nacht ein Baumwollkissen.
- Sonne und Salz: UV-Strahlen bauen Keratin ab, Meerwasser trocknet aus und hinterlässt scheuernde Kristalle.
- Leitungswasser: Kalk, der sich ablagert, zu hohe Temperatur und, in Regionen mit Chlorung, Chlor. Dazu gleich mehr.
Bei Ondée stellen wir fest, dass Menschen, die uns wegen Porosität schreiben, fast immer kürzlich etwas verändert haben: einen Umzug in eine Stadt mit hartem Wasser, eine neue Farbe oder ein Glätteisen, das im Winter gekauft wurde. Porosität ist selten angeboren. Sie hat eine Geschichte, und oft lässt sie sich datieren.
Macht das Duschwasser die Haare porös?
Teilweise ja, und das ist der Punkt, den klassische Haarpflegetipps übergehen. Eine bereits geöffnete Kutikula reagiert empfindlich auf das, was aus dem Hahn kommt: auf Kalk, der sich zwischen die Schuppen setzt, auf heißes Wasser, das sie weiter öffnet, und dort, wo der Versorger chlort, auf Chlor, das das Keratin oxidiert.
Beginnen wir mit dem Kalk, denn er betrifft in Deutschland die meisten Haushalte. Hartes Wasser enthält gelöste Calcium- und Magnesium-Ionen, gemessen in Grad deutscher Härte: 1 °dH entspricht 10 mg Calciumoxid pro Liter, ab 14 °dH gilt Wasser als hart. Nürnberg liegt bei etwa 18 °dH, Berlin bei 17 °dH und je nach Bezirk darüber, Bremen dagegen bei 8 °dH. Prüfen Sie die Wasserhärte Ihrer Postleitzahl. Auf offenen Schuppen setzen sich diese Mineralien in die Zwischenräume und bilden einen rauen, stumpfen Film, der die Pflege blockiert.
Das ist nicht nur ein Gefühl. Eine 2018 im International Journal of Trichology veröffentlichte Studie (Luqman et al.) hat Haarproben von 70 Männern drei Monate lang jeden zweiten Tag zehn Minuten in sehr hartes Wasser mit 486,7 mg/l Calciumcarbonat getaucht, also rund 27 °dH. Die Reißfestigkeit sank gegenüber der Kontrollgruppe um etwa 8 %, statistisch signifikant. Der Ehrlichkeit halber: Eine Studie von 2013 in derselben Zeitschrift hatte nach 30 Tagen nichts festgestellt. Die Wirkung von Kalk zeigt sich über die Zeit.
Beim Chlor ist Deutschland ein Sonderfall: Die meisten Versorger liefern ohne Chlorung, manche chloren dauerhaft, andere nur zeitweise, etwa nach Bauarbeiten. Ob Ihr Wasser betroffen ist, steht in der Trinkwasseranalyse Ihres Versorgers, mehr dazu im Artikel über Chlor im Trinkwasser. Falls Ihr Versorger chlort, verflüchtigt sich ein Teil unter heißem Wasser (der Schwimmbadgeruch im Bad), und der Rest oxidiert die Lipide an der Oberfläche des Haares, die den Schuppen helfen, flach zu liegen.
- Kalk: Mineralablagerungen zwischen den Schuppen, stumpfer Film, blockierte Pflege, auf Dauer eine empfindlichere Faser.
- Temperatur: Je heißer das Wasser, desto weiter öffnet sich die Kutikula.
- Chlor, wo eingesetzt: Oxidation der Lipide der Kutikula, Schuppen, die angehoben bleiben, Farbe, die umschlägt.
- Schwebstoffe: feine Partikel aus alten Leitungen, die sich auf Kopfhaut und Längen absetzen.
Was lässt sich tun? Präzise bleiben, denn viele Marken sind es nicht. Der Duschkopf mit Filter von Ondée hält mit Aktivkohlefaser und einer Vitamin-C-Kartusche Schwebstoffe, Gerüche und Chlor zurück, wo es im Wasser ist. Die Wasserhärte ändert er nicht: Gelöster Kalk passiert jeden Duschfilter, unseren eingeschlossen. Nur eine Enthärtungsanlage am Hausanschluss senkt die °dH. Für bereits abgelagerten Kalk bleiben das Klärshampoo und die verdünnte Essigspülung, alle zwei bis drei Wochen.

Poröse Haare pflegen: die Routine für jeden Tag
Eine passende Routine lässt sich in vier Verben fassen: sanft waschen, auffüllen, versiegeln, kühl spülen. Die Reihenfolge zählt so viel wie die Produkte, und das Ausspülen ist der Schritt, den fast alle vernachlässigen.
Zuerst die Wäsche. Ein mildes Shampoo ohne aggressive Sulfate, auf die Kopfhaut statt auf die Längen. Bei hoher Porosität reichen oft zwei Wäschen pro Woche, weil die Faser bei jedem Kontakt mit Wasser aufquillt und wieder abschwillt. Dann die Spülung oder Maske in die Längen, um die Lücken zu füllen. Hydrolysierte Proteine (Keratin, Seide, Weizen) setzen sich in fehlende Schuppen, Emollients wie Sheabutter oder Jojobaöl glätten den Rest. Die LOC-Methode aus der Lockenpflege (Leave-in, Öl, Creme) folgt genau dieser Logik.
- Proteine: füllen Lücken in der Kutikula; sparsam dosieren, denn zu viel Protein macht das Haar steif.
- Feuchthaltemittel: Glycerin, Aloe vera; ziehen Wasser in die Faser, nützlich bei feuchtem Klima, bei trockener Heizungsluft eher sparsam.
- Versiegelnde Fette: Öle und Butter, zuletzt aufgetragen, um zu halten, was Sie gerade zugeführt haben.
- Ausspülen: erst lauwarm, dann dreißig Sekunden kühl, um die Kutikula zu schließen, bevor Sie aus der Dusche steigen.
Der kühle Abschluss verdient einen zweiten Blick. Die Kutikula öffnet sich bei Wärme und schließt sich bei Kälte, und der letzte Wasserstrahl ist die letzte Botschaft an Ihre Schuppen. Dreißig Sekunden kühles Wasser sind zwei Tage lang unangenehm, danach denkt man nicht mehr daran. Auf unserer Seite zum Duschfilter erklären wir, warum auch die Qualität dieses letzten Wassers zählt, nicht nur seine Temperatur.
Einmal im Monat sorgt eine saure Pflege, zum Beispiel eine Apfelessig-Spülung (zwei Esslöffel auf einen Liter Wasser), dafür, dass sich der Kalkfilm löst und die Schuppen anlegen. Bei niedriger Porosität drehen Sie die Logik um: leichte Pflege, sanfte Wärme (ein warmes Handtuch), um die Kutikula etwas zu öffnen, und regelmäßig ein Klärshampoo gegen Ablagerungen.

Wie schützen Sie poröse Haare in der Nacht?
Die Nacht ist die Belastung, die niemand mitzählt. Sieben bis acht Stunden lang reiben poröse Längen an einem Baumwollbezug, der ihnen Feuchtigkeit entzieht und die Schuppen mechanisch anhebt, Nacht für Nacht.
Baumwolle ist saugfähig und leicht rau. Auf einer bereits offenen Kutikula zieht jede Kopfbewegung eine Schuppe in die falsche Richtung, und am Morgen sind da Knoten, Frizz und manchmal abgebrochene Haare auf dem Kissen. Bei Ondée erzählen uns vor allem Kundinnen mit Locken oder gefärbtem Haar von diesem „explodierten“ Morgen, und der Wechsel des Materials unter dem Kopf überrascht sie oft mehr als jedes Produkt.
- Seide: glatte, wenig saugfähige Oberfläche; das Haar gleitet, statt sich zu verhaken, die Abendpflege bleibt in der Faser.
- Schutzfrisur: lockerer Zopf, „Pineapple“ bei Locken oder weicher Dutt, nie ein enges Haargummi auf porösen Längen.
- Trocken ins Bett: Ein feuchtes Haar ist aufgequollen und empfindlich, darauf zu schlafen heißt, es nass zu knicken.
- Abendpflege: ein paar Tropfen Öl in die Spitzen, vor der Haube, nicht mehr, sonst nimmt der Bezug es auf.
Unsere Seidenhaube aus Maulbeerseide mit 22 Momme, doppellagig, ist genau dafür gemacht: Sie hält die ganze Nacht dank verstellbarem Band und schützt die Haare vor Reibung. Ein Seidenkissenbezug leistet Ähnliches, wenn Sie auf der Seite schlafen und sich wenig bewegen, aber die Haube umschließt auch die Längen, die über das Kissen hinausragen. Ehrlich gesagt ist das bei hoher Porosität der Handgriff mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Ergebnis, den wir kennen.
Lassen sich poröse Haare reparieren?
Nicht im strengen Sinn: Eine geschädigte Länge schließt sich nicht dauerhaft, weil der Haarschaft totes Material ist. Sie können auffüllen, versiegeln, schützen und vor allem eine neue Faser unter besseren Bedingungen nachwachsen lassen, etwa 1 Zentimeter pro Monat (Wikipedia).
Diese Tatsache ändert die Strategie. Sogenannte Reparaturpflegen lagern Proteine und Lipide ab, die eine geschlossene Kutikula nachahmen, und das ist nützlich, aber sie verschwinden bei der nächsten Wäsche. Der echte Hebel ist die Zeit: Wenn Sie heute aufhören, Ihre Haare zu belasten, haben die 12 Zentimeter, die bis nächstes Jahr nachwachsen, eine intakte Kutikula. Was schon geschädigt ist, wird nach und nach geschnitten.
- Schneiden: einen Zentimeter alle zwei bis drei Monate an den offensten Spitzen statt eines großen Schnitts einmal im Jahr, besonders wenn Sie auch mit Haarbruch kämpfen.
- Chemie strecken: Abstände zwischen Colorationen verlängern, einen Ton nahe der Naturfarbe wählen, um Blondierung zu vermeiden.
- Hitze senken: höchstens 160 °C am Glätteisen, immer mit Hitzeschutz, den Föhn mit Abstand.
- Wasser beachten: lauwarm duschen, kühl abschließen, regelmäßig klären, wenn Ihr Wasser über 14 °dH liegt.
Was wir bei Menschen sehen, die es schaffen, ist kein Wunderprodukt. Es ist eine Summe kleiner Anpassungen, sechs Monate lang durchgehalten: Wasser, Hitze, Nacht, Abstand zwischen Colorationen. Dann lautet die Frage nicht mehr „Wie repariere ich poröse Haare?“, sondern „Wie verhindere ich, dass die nachwachsenden porös werden?“. Und darauf gibt es eine Antwort. Wer zusätzlich unter trockenen Haaren oder Frizz leidet, findet die passenden Handgriffe in unseren Ratgebern dazu.
Häufige Fragen zu porösen Haaren
Wie erkenne ich poröse Haare ohne den Wasserglas-Test?
Am Verhalten im Alltag. Poröse Haare werden unter der Dusche sofort nass, trocknen an der Luft dann aber schnell und fühlen sich danach rau an. Masken scheinen in wenigen Minuten zu verschwinden, Farbe wäscht sich schnell aus, und bei Regen plustern sich die Längen auf. Ein einfacher Zusatztest: Streichen Sie mit zwei Fingern von der Spitze Richtung Ansatz über eine Strähne. Fühlt es sich holprig an, stehen die Schuppen offen. Weil Kalkfilm und Silikone das Glas-Ergebnis verfälschen, sind diese Zeichen gerade bei hartem Wasser verlässlicher.
Macht kalkhaltiges Wasser die Haare porös?
Kalk allein macht ein gesundes Haar nicht porös, verstärkt aber die Probleme einer bereits geöffneten Kutikula. Calcium und Magnesium lagern sich zwischen den Schuppen ab, bilden einen stumpfen Film und blockieren die Pflege. Eine Studie von 2018 im International Journal of Trichology hat nach drei Monaten in sehr hartem Wasser, rund 27 °dH, eine um etwa 8 % geringere Reißfestigkeit gemessen. Ab 14 °dH, wie in Nürnberg, Berlin oder München, lohnt sich alle zwei bis drei Wochen ein Klärshampoo oder eine verdünnte Essigspülung. Ein Duschfilter ändert die Härte nicht.
Schadet Chlor im Duschwasser porösen Haaren?
Dort, wo es eingesetzt wird, ja. In Deutschland liefern die meisten Versorger ihr Wasser ohne Chlorung, einige chloren aber dauerhaft oder zeitweise. Falls Ihr Versorger chlort, oxidiert das Chlor die Lipide der Kutikula, die den Schuppen helfen, flach zu liegen, und auf porösem Haar wirkt das stärker, weil die Faser offener ist. Ob Ihr Wasser gechlort wird, steht in der Trinkwasseranalyse Ihres Versorgers. Ein Duschkopf mit Aktivkohlefaser und Vitamin C hält Chlor, Gerüche und Schwebstoffe zurück, aber keinen Kalk.
Welche Inhaltsstoffe eignen sich für sehr poröse Haare?
Drei Familien, in dieser Reihenfolge. Hydrolysierte Proteine (Keratin, Seide, Weizen) füllen Lücken in der Kutikula, in kleinen Mengen, weil zu viel das Haar steif macht. Feuchthaltemittel wie Glycerin oder Aloe vera ziehen Wasser in die Faser, sind bei trockener Heizungsluft aber sparsam einzusetzen. Zum Schluss versiegelnde Fette wie Sheabutter oder Jojobaöl, die halten, was Sie zugeführt haben. Achten Sie außerdem auf Produkte mit leicht saurem pH-Wert, zwischen 4,5 und 5,5, die die Schuppen anlegen, statt sie weiter zu öffnen.
Sollte ich mit porösen Haaren eine Seidenhaube tragen?
Ja, das ist einer der wirksamsten Handgriffe bei hoher Porosität. Ein Baumwollbezug saugt Feuchtigkeit aus offenen Längen und hebt die Schuppen bei jeder Bewegung mechanisch an. Seide ist glatt und kaum saugfähig: Das Haar gleitet, und die Abendpflege bleibt in der Faser. Die Haube umschließt alle Längen, auch die, die über das Kissen hinausragen, was ein Kissenbezug nicht kann. Gehen Sie mit trockenem Haar ins Bett, geben Sie ein paar Tropfen Öl in die Spitzen und setzen Sie dann die Haube auf.


